[heilige und stars]

Mit dem Verhältnis zwischen Fans und Spielern beschäftigen sich immer wieder gern JournalistInnen. Welche religiösen Dimensionen das Zusammenspiel von Rasen und Tribüne jedoch hat, ist bisher nur wenig bedacht worden.
Der allgemeine Starkult nimmt überall deutliche Formen an: Trikots und Autogramme werden gehandelt wie Reliquien, ein Händedruck mit dem Lieblingsspieler führt selbst bei erwachsenen Männern und Frauen zu einem seligen Lächeln. Ob Profi-Kicker oder Popstar, es scheint so, als geschehe etwas Magisches mit den Fans, wenn sie ihren Idolen face-to-face gegenüberstehen.

Ein anderer Personenkult kann helfen zu erklären, warum riesige Menschenmassen einzelnen Individuen so große Aufmerksamkeit schenken und sich zu hoher Kreativität bei der Verehrung inspirieren lassen. In der römisch-katholischen Kirche wird herausragenden Persönlichkeiten des Glaubens eine besondere Stellung eingeräumt.
Im direkten Vergleich zwischen Heiligen und "begnadeten" Kickern fällt die jeweilige Heilserwartung auf, welche sich in der Verehrung durch die Fans ausdrückt. Die Verehrten müssen nicht unbedingt moralisch einwandfrei leben, sie entsprechen oft auch nicht der vorherrschenden politischen, kulturellen oder religiösen Auffassung. Es ist ihr herausragendes Können und die öffentliche Aufmerksamkeit, welche sie dadurch erfahren, die sie zu etwas Besonderem machen. Fußballstars wie Heilige leben in ihrer eigenen, ganz anderen Wirklichkeit und die verkörpern sie. Fans bzw. Gläubige wiederum versprechen sich eine Teilhabe an der Besonderheit ihrer Idole, etwa durch eine Berührung oder ein Gebet.
Doch der Vergleich hinkt an dieser Stelle. Denn die anderen Wirklichkeiten könnten unterschiedlicher nicht sein: hier Glitzer und Glamour eines reichen Promi-Lebens - dort die Wirklichkeit Gottes, die oft in krassem Gegensatz steht zu den vermeintlichen Sachzwängen des Alltags.

Im Materialbereich gibt es einen deutschen und einen englischen Aufsatz über Heiligenverehrung im Fußball.