Schritt nach vorn zurück ins Leben (Mt 28,20b)

Nie war eine Nacht so tief und schwarz
Nie so kalt, so betäubend, und so leer
Das Leben, das ich kannte, ist ausgelöscht
Hallo, Dunkelheit, ich wehre mich nicht mehr
Ich bin dir stets gefolgt, mein Leben lang
Aber nun kann ich niemals mehr zu dir
Mein Schmerz ist so furchtbar groß, erstickt mich fast
Aber noch ganz sacht flüstert es in mir:
Scheint dein Glück auch verlor’n
Sieh ein Stück nach vorn
Mach nur den nächsten Schritt
Kommt nach dieser Nacht 
wieder ein Tag?
Wird es je wieder hell, 
und wozu?
Ich weiß nicht, wo ich hin soll, bin so allein
Der Stern, der mich geleitet hat, warst du
Ich denk’ nicht zu weit voraus
Denn dafür fehlt mir die Kraft
Ich atme ein und gehe voran, 
nur ein Stück Nicht zu weit, 
das Stück hab’ ich geschafft
Geh voran, bis das Licht
Diese Dunkelheit durchbricht
Ich mach’ den nächsten Schritt
Doch auch bei Tag ist nichts klar
Denn ich weiß, dass alles nie mehr sein wird,
wie es vorher war
Was ich machen kann, 
ich gehe voran
Und wag’
den nächsten Schritt

Lyrics von Frozen II „The next right Thing“

Es sind nur wenige Schritte, die du heute gehst. Hier in den Gottesdienst, und später vielleicht noch ans Grab. Manche haben andere Orte des Trauerns, weil es kein Grab gibt oder es zu weit weg ist.

Den Namen des geliebten Menschen hast du gehört, von dem du in diesem Jahr Abschied nehmen musstest. Hinter jedem dieser Namen steht die Geschichte eines Lebens und eines Sterbens. Es ist zugleich die Geschichte deiner Trauer. Dabei werden Fragen und Gedanken wieder wach: 
Warum hat das Beten nicht geholfen? 
Warum gibt es noch keine Medizin gegen den Krebs? 
Warum so plötzlich?
Warum tut der Abschied so weh?
Warum die Tränen und das Leid? 

Und manchmal gibt es vielleicht auch den vorsichtigen Gedanken, dass der Tod eine Erlösung war. Wenn die Lebensspanne sich erfüllt hat. Ein langes Leben zu Ende gelebt wurde. Wenn der Tod wie eine Schwester kam, um den lieben Menschen sicher nachhause zu geleiten. Weniger dramatisch vielleicht, doch genau so traurig.

Manchmal helfen Worte. Zumindest ein bisschen. 

Am Grab gehört, das Versprechen von Jesus:

„Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.“

(Mt 28,20b)

Bis ans „Ende der Welt“ – tja, das sagt sich so leicht. Wann soll das sein und wie soll das kommen, das „Ende der Welt“? Nach den Corona-Jahren mit ihren ganz eigenen Spuren, mit den Kriegen und den anderen Krisen? 

Du hast das Ende der Welt erlebt. Hast im eigenen Herzen spüren müssen, wie das ist, wenn man am Grab steht. Wenn der Sarg, die Urne hinuntergelassen wird und die Tränen fließen! 

Irgendwie ist jeder Tod ein ganz persönlicher Weltuntergang.

Denn die gemeinsame Zeit ist zu Ende. Alle schönen und schweren Momente, das geteilte Leben – das alles ist vorbei. Was bleibt, ist die Erinnerung daran. 

Das Leben bekommt seinen Wert dadurch, dass es einmal zu Ende geht. Ja, vom Ende her gedacht, ist jeder Moment, jeder Augenblick kostbar. Kein Leben auf Erden hält für immer. Und so sehr du es auch festhalten wolltest, es ist dir durch die Finger geglitten.

Dabei ist es ganz gleich, wie lange der gemeinsame Weg war und wie der Tod ins Leben trat. Ob ihr Zeit hattet, um euch voneinander zu verabschieden bei einer langen Krankheit, ob die Lebenskraft einfach zu Ende war oder plötzlich der Lebensfaden durch ein Unglück abgerissen ist. Der Abschied tut weh. So oder so.

Und in diesen Schmerz hinein sagt Christus: „Siehe, ich bin bei dir jeden Tag, bis zum Ende der Welt!“ 

Ich bleibe bei dir in den kleinen und großen Weltuntergängen. Wenn du trauerst um das, was einmal war. Ich bleibe sogar bei dir, wenn deine eigene Welt einmal zu Ende geht. Dann nehme ich dich bei der Hand. Ich weiche dir nicht von der Seite, sagt Christus. 

Heute, wo die Trauer wieder oder noch immer großen Raum einnimmt: Christus ist bei dir.

Was das bringt? Erstmal nicht viel. Aber es kann dir Kraft geben, Kraft zum nächsten Schritt. Der vielleicht noch in weiter Ferne liegt. Ein Schritt ins Leben, mit der Erinnerung im Herzen.

Das Versprechen gilt für dich, weil du weiterlebst und doch mit dem Ende einer Welt umgehen musst. Auch wenn es erstmal nicht weiterzugehen scheint. Wenn die Welt stillsteht. Und niemand dir sagen kann, ob es wieder hell wird.

Dann ist Christus bei dir. 
Er weiß, wie es sich anfühlt. 
Kennt den Tod und den Schmerz.
Und er weiß, dass es weiter geht. 
Er ist vorausgegangen. 

Es geht weiter für den Menschen, den du verloren hast. In einer Welt, die du dir nicht vorstellen kannst.

Und für dich geht es weiter. Noch im Dunklen zwar, aber Schritt für Schritt hinaus in ein Licht, das noch kommen wird.

Es geht weiter. Schritt für Schritt. 

Amen.

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