Türöffner (Ps 24,7)

Advent ist eigentlich eine tollen Sache. Denn da öffnen sich Türen. Jeden Tag! 

Die Kinder zeigen uns das ab dem ersten Dezember. Zumindest die Türchen am Adventskalender gehen auf und offenbaren täglich ein kleines Geheimnis. 24 Türen oder – wie bei dem Adventskalenderschränkchen in Immensen – 24 mal gibt es was zu entdecken.

Ich denke, wenigsten die Türen am Adventskalender öffnen sich. Was aber ist mit all den Türen, die nicht aufgehen? Die vielleicht im Zorn zugeschlagen wurden? Von mir oder jemand anderem?

Und was ist mit den Türen, die nie wirklich aufgegangen sind? Von denen ich mir das zwar sehr gewünscht hätte. Aber am Ende stellt sich raus, dass es nur ein Wunschtraum war.

Ich glaube, wir alle hier kennen solche Türen. Wenn du so davor stehst und noch nicht mal eine Klinke findest. Dahinter muss etwas Wunderbares sein, ein besonderer Mensch, ein Sehnsuchtsort oder irgendein ein grandioser Plan. 

Ich selber habe vor solchen Türen gestanden. Etwa während meiner Zeit in Italien. Da habe ich mal länger gelebt. Und als mein Job dort zu Ende ging, wollte ich unbedingt bleiben, wollte Pastor werden in einer evangelischen Gemeinde ganz im Süden des Landes, in Kalabrien. 

Und wie war ich damals enttäuscht, als meine Bewerbung abgelehnt wurde. Einfach so. Ohne Kommentar. Da war die Tür für mich gar nicht erst aufgegangen. Und in der Zeit habe ich ein italienisches Sprichwort kennen gelernt, das mich bis heute manchmal tröstet: 

Per ogni porta che si chiude, si apre un portone!

Für jede Tür, die sich schließt, öffnet sich ein Tor.

Und tatsächlich, als dieser Traum zu Ende geträumt war, die Tür nach Süditalien wirklich zu war, gab es für mich neue, andere Möglichkeiten. Mindestens genauso toll, wie die Stelle in Kalabrien. Zum Beispiel über Umwege bis hierher ins Lehrter Land…

Ich vermute, am Ende schauen wir auf unser Leben zurück und sehen an entscheidenden Stellen Türen, die nicht auf- oder schnell wieder zugegangen sind. 

Und dann sehen wir hoffentlich auch die Tore, die sich dann – und zwar wirklich erst dann – aufgetan haben. Neue Wege, neue Chancen, neue Erfahrungen, die einen wirklich weiter gebracht haben. 

Und vielleicht wird es dann auch ein bisschen so sein wie heute, am Beginn der Adventszeit 2022: 

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit.

Ps 24,7 (Lutherbibel)

Ich versuche mir vorzustellen, wie Gott in diese Welt und in mein Leben einziehen möchte. Und ich habe die Türe zugemacht!

Ja, der „König der Ehre“ möchte hereinkommen. Doch entweder gibt es wie im letzten Jahr Zugangsbeschränkungen wegen Corona. Ich glaube, das ist uns allen nicht leicht gefallen, denen, die nicht kommen durften, und denen, die diese Beschränkungen vertreten mussten.

Oder: der „König der Ehre“ kommt nicht rein, weil es zu ungemütlich ist, in unserer Welt. Krieg ist nicht mehr nur ein Wort, Krieg ist wieder Realität in Europa!

Welcher König möchte da eingelassen werden in so einer Welt? Und welcher König möchte in so einem unbedeutenden, kleinen Leben einziehen, wie meines? 

Ich kann es euch sagen: Es ist Gott! 

Dieser König, dem hier Tor und Tür geöffnet werden soll, ist eine Art Anti-König. Mit den Herrschern dieser Welt, den Putins und Trumps, hat Gott wenig gemeinsam.

Denn Gott schaut auf das Kleine, das Unbedeutende. Gott will eingelassen werden ins Herz. 

Nicht in irgendein Herz, sondern in mein Herz und in deins! 

Gott klopft vorsichtig an. Sie weiß, dass nicht alles gut ist, bei mir, bei dir, in der Welt. Sie kennt das Chaos bei mit zuhause. Sie weiß um die Selbstzweifel, die Sorgen vor der Zukunft.

Und trotzdem, Gott möchte kommen. 

Für jede Tür, die sich schließt, öffnet sich ein Tor. Vielleicht sind wir ja die Tore für Gott?

Wie in Bethlehem. Die Türen der Hotels und der Gasthöfe waren zugegangen. Und dann öffnet sich das Tor des Stalls und damit das Tor zur Welt der einfachen Leute. 

Gott wird Mensch, Gott kommt in unsere Welt. Die Türen und Tore können aufgemacht werden. Gott zieht ein, bei mir, bei dir, bei uns. Das Kind in der Krippe ist der Schlüssel.

Und ob ihr es glaubt, oder nicht: 

Das wird uns verwandeln. 

Amen.