Weihnachten, die Zeit der Lichter,
der Kerzen und Besinnlichkeit.
Doch nicht alle machen frohe Gesichter.
Manche schütteln müde den Kopf:
„Das alles ist Kitsch“, sagen sie und hängen nun mal gar nicht
am sentimentalen Tropf.
„Ein Kind im Stall,
das soll mich bewegen?
Solche Fragen höre ich oft dieser Tage.
Denn die Sorgen wiegen viel schwerer als der Segen.
Kein Wunder, denn die Welt brennt,
die Kassen sind leer,
Deutschland hat
keine echte Regierung mehr
und auch anderswo
macht sich Sorge breit,
dass wir alle nicht bereit
sind für die Herausforderungen von heute,
geschweige denn von morgen.
Und dann so ein Wunder? Zur Weihnacht?
Bitte – wo soll das denn herkommen?“
Ja, die Zahl der Zweifler
wächst und wächst.
Die Zahl also derjenigen,
die meinen, ganz ohne seinen
oder ihren persönlichen Glauben auszukommen.
Dabei ist es unbenommen,
auf dem religiösen Ohr
gänzlich
oder nur begrenzlich
unmusikalisch zu sein.
Glaube lässt sich eben nicht erzwingen,
kann nicht aufgedrückt oder eingeredet werden.
Nein, Glaube kann man nur erringen
im täglichen Kampf
mit der Wirklichkeit
und der Verzweiflung an ihr.
Und manch eine,
die schon ihren Glauben hatte,
der das Leben aber übel mitspielt,
ist von eben diesem abgefallen
und nun liegt die Latte
viel zu hoch, als dass sie noch einmal
glauben könnte wie ein Kind.
Doch gerade die Zweifler und Skeptiker,
sie sind im Blick.
Sie bleiben nicht zurück,
denn vor allem für sie
liegt hier das Glück
in der Krippe.
Ausgerechnet sie sind eingeladen,
sie sind gemeint,
auch wenn die Stirn
in kritische Falten gelegt
und gehegt wird.
Doch irgendwann
stehen sie alle vor der Krippe,
mitten im Licht,
und die Zweifelnden sagen:
„Ich kann es nicht
glauben!“
Doch gerade ihr Zweifel –
der öffnet die Tür,
und manche erkennen dann doch:
Das Wunder geschieht genau hier.
Ein Gott, der nicht herrscht
mit Blitz und Macht,
der nicht protzt mit
Reichtum, Größe, Kraft und Pracht,
Nein, unser Gott kommt stattdessen
ganz klein und leise
in die judäische Provinz, zur Krippe,
am Anfang einer himmlischen Weltenreise.
Und dann fragt eine ganz laut:
„Was soll das bedeuten?“
Vielleicht – antworte ich –
dass Gott sich mit uns auf Augenhöhe traut?
Ja, dass Gott sich zeigt,
verletzlich und schwach,
ganz ohne all die Zeichen und Beweise
einer himmlischer Pracht?“
Ja, genau, ein Gott, der uns kennt, mit ausgestreckter Hand.
Der nicht fragt: „Bist du ein Held?“
sondern gerade spricht:
„Du, dein Zweifel erhält die Welt!“
Diesen Gott kann man erkennen in der Heiligen Nacht.
Und ausgerechnet die Zweifler und Kritiker,
die Zyniker hat sich Gott als Zielgruppe ausgemacht
für die Mission Bethlehem.
Denn wer nicht fragt,
kann nicht sehen,
und wer nicht zweifelt,
kann kaum verstehen,
was in dieser Welt passiert.
Es sind nicht unbedingt die Frommen,
die hier auf sicherem Terrain stehen,
sondern vielmehr die Suchenden und Fragenden,
die Gott sehen
werden. Eines Tages, nicht fern von heute.
Denn Weihnachten, Leute,
beginnt genau da,
wo der Zweifel sich öffnet,
vielleicht auch nur ein bisschen.
Aber das Wunder wird wahr.
Amen.