Himmlischer Garten (Gen 2,4-15)

Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde, da sie geschaffen wurden. Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte.Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Genesis, 2, 4-15 (Luther 2017)

Heute ist der „Tag des Friedhofs“. Ihn gibt es schon seit knapp 20 Jahren. Ursprünglich war er eine Erfindung vom Bund deutscher Friedhofsgärtner. Er soll den Blick lenken auf diese besonderen Gärten. Denn Friedhöfe sind mehr als nur Orte des Trauerns und des Abschieds. Die Konfis haben es uns vorhin vorgestellt. Friedhöfe sind auch Ortes des Lebens und der Lebenden. Gerade in Immensen. Was hier manchmal tagsüber los ist, das können nur unser Friedhofsgärtner und unsere Friedhofsgärtnerin wirklich ermessen. Menschen kommen, treffen sich, klönen und tauschen die neuesten Neuigkeiten aus dem Dorf aus. 

Dazu all die Pflanzen und Tiere, die wir hier gezielt beherbergen. Artenvielfalt und Umweltschutz gehen bei uns Hand in Hand: Ganze Abteilungen sind naturnah gestaltet und dienen mittlerweile der Blütenpracht. Nistkästen bieten Platz für Vögel und sogar Insektenhotels gibt es. Ein Stückchen heile Welt in diesem großen Garten hier.

Um einen besonderen Garten geht es heute auch in dem Abschnitt der Bibel, über den gepredigt werden soll. Der „Garten Eden“.

Ich weiß nicht, wie es Euch hier geht. Ob Ihr auch nichts damit anzufangen wisst, wie die Konfirmandinnen und Konfirmanden gestern? Da saßen wir hier im Sonnenschein auf dem Friedhof und haben den Bibeltext gelesen. Und auf die Frage, was den Jugendlichen zu diesem Garten Eden einfällt, kam erstmal lange nichts. 

Eden, der hebräische Name, der im Griechischen „Paradeisos“, also Paradies heißt. Mit dem Garten Eden wird ein Zustand beschrieben, der nichts Negatives kennt. Keinen Hass, keinen Streit, keine Krankheit, ja auch keinen Tod. Dort herrscht vollkommene Harmonie zwischen Schöpfer, Tieren, Pflanzen.

Und in diesen Garten pflanzt Gott auch den Menschen. Von Staub und Erde wird der genommen. Was für eine Vorstellung! Daher kommt auch die Formulierung „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub!“ Das ist die Bestattungsformel bei jeder kirchlichen Beerdigung gesprochen wird. 

Schließlich bläst Gott dem Menschen „Odem des Lebens“ ein. „Odem“, ein altes Wort. Es meint nicht nur den Atem, also Luft, die in die Lungen ein und ausströmt. Odem – das kann auch etwas meinen, das wir „Seele“ nennen.

Das, was jeden Menschen einzigartig macht. Den wachen Geist, mit dem wir unsere Welt wahrnehmen und mit dem wir dann und wann auch eingreifen in diese Welt, wenn etwas schiefläuft.

Mit den Konfis haben wir gestern überlegt, wo eigentlich die Seele hingeht, wenn ein Mensch stirbt. Wenn seine „irdische Hülle“ zurückbleibt. Diese Frage beschäftigt viele Menschen. Gerade auch heute, wo wir an unsere Lieben denken, von denen wir in den letzten Monaten Abschied nehmen mussten. 

Was geschieht mit der Seele, mit diesem unbeschreiblichen Etwas, dass mich ausmacht? Geht es verloren? Löst es sich auf im Nichts?

Unser christlicher Glaube hat da keine ganz klare Meinung, aber eine große Hoffnung. Es ist die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Dass das Licht stärker ist als die Dunkelheit, das Gute stärker ials das Böse und dass die Liebe stärker ist als der Tod.

Die Geschichte von Jesus, von seinem Tod und seiner Auferstehung, ist der Grund für diese Hoffnung. Es wird Leben geben, ein Leben bei Gott. Wie das aussieht, kann keiner aus erster Hand berichten. Aber als Christinnen und Christen glauben wir, dass unser Odem, die Seele, nicht ins Nichts fällt. 

Sondern dass wir wieder zurückkehren, in diesen Garten Eden, jenen wunderbaren Zustand, den Jesus selbst oft als „Reich Gottes“ bezeichnet hat. Ein Ort, wo wir Menschen oder das, was uns ausgemacht hat, gut aufgehoben sind. Bei unserem Schöpfer, im Garten Eden.

Dieser Garten Eden wird ausführlich beschrieben als ein wunderbarer Ort, voller Leben. Ein besonderer Ort, so wie unser Friedhof. Vielleicht sind ja Friedhöfe generell der bescheidene menschliche Versuch, diesen Garten Eden nachzubauen. 

Damit diejenigen, die dort zum Trauern hinkommen, eine Ahnung haben können, wie schön es sein kann, dort – im Paradies – aufgehoben zu sein.

Zumindest unser Friedhof hier versucht, solchen Trost auszustrahlen. Damit man bei aller Traurigkeit immer auch spüren kann, dass das Leben stärker ist als der Tod. 

Amen.

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