Meeresrauschen vom Ende der Welt (Mt 28,16-20)

Es ist ja bald wieder Urlaubszeit. Auch wenn es dieses Jahr noch mal etwas ungewöhnlich sein wird, mit den ganzen Hygienevorschriften und Reiseregeln. Aber der Urlaub, so höre ich es von allen Seiten, ist wirklich dran. Lange genug haben die Menschen darauf gewartet, sich in die Sonne zu legen, Kultur in fremden Ländern zu erkunden oder einfach mal einen Tapetenwechsel zu genießen.

Ehrlich, ich kann das gut verstehen. Mir persönlich fehlt das Meer. Mein liebstes Reiseziel. Endloser Horizont, Wasser und Wolken, soweit das Auge reicht. Ein Gefühl von Freiheit, wenn mir der Wind um die Nase weht, und – ja manchmal auch das Gefühl, hier ans Ende der Welt gekommen zu sein.

Vielleicht kommt dieses Gefühl von früher. Früher glaubten die Menschen ja noch, die Erde wäre eine Scheibe. Und da war das Meer eine sichtbare Grenze. Wenn man mit dem Schiff dann vom Festland wegsegelte, musste man der Logik nach irgendwann an das Ende der Welt kommen. Und wer nicht aufpasste, würde dann von der Scheibe runterfallen. Einfach so.

Zum Glück sind wir heute ein bisschen schlauer. Wir wissen, unser Planet ist eine Kugel und das Universum an sich scheint unendlich.

Und doch ist für mich etwas davon geblieben. Am Meer, am Ende der Welt.

Auch selbst wenn jemand von Euch lieber in die Berge fährt zum Urlaub machen – mit dem Blick auf eine steile Felswand wie etwa dem Eiger oder dem Jungfraujoch kann man ja auch das Gefühl haben, am Ende der Welt zu stehen.

Aber gibt es das überhaupt, das Ende der Welt? Manchmal sagt man zu besonders einsamen Orten, dass dort das Ende der Welt wäre. Orte, die schwer zu erreichen sind und wo eigentlich auch gar nichts los ist. Manch 96-Fan würde wahrscheinlich Braunschweig als so einen Ort bezeichnen. Auf jeden Fall muss es ziemlich Öde sein am Ende der Welt.

Aber auf die Frage, ob es dieses Ende gibt, haben wir alle auch ganz persönliche Antworten. Wie das Ende der Welt kann einem so vorkommen, wenn eigene Pläne scheitern. Wenn Lebens-Träume zerplatzen, etwa ein unerfüllter Kinderwunsch oder die Suche nach einem Eigenheim. Solche Momente kennt Ihr sicher alle im Leben: Da steht man wie vor einer Wand und muss einsehen, dass man da nicht weiter kommt. So verschieden wir sind, so unterschiedlich können diese Erfahrungen sein. Mal mehr, mal weniger dramatisch.

Und dann gibt es noch ein Ende der Welt, das uns irgendwie allen einmal blühen wird: Das Ende des eigenen Lebens. Ja, irgendwann werden unsere Tage auf Erden gezählt sein. Dann geht für einen jeden und eine jede von uns die Welt zu Ende. Das ist vielleicht das einzige, was uns im Leben sicher ist: das es einmal zu Ende geht mit unserer ganz eigenen Welt.

Ich weiß gar nicht, ob das immer so bedrohlich sein muss, das Ende der Welt. Aber natürlich ist damit wohl immer auch Trauer und Traurigkeit verbunden. Denn wenn etwas zu Ende ist, dann muss man davon Abschied nehmen. 

Vielleicht zum Trost hat Jesus seinen Freunden dieses Versprechen gegeben, an das wir uns heute erinnern. Es kommt bei fast jeder Taufe vor und hier in Immensen eigentlich auch bei jeder Beerdigung.

Jesus sagt:

„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Mt 28,20

Was genau meint er damit? Bei Matthäus stehen diese Wort vom Ende der Welt am Ende des Evangeliums. Vielleicht fassen diese Worte das zusammen, worum es in den ganzen Geschichten von Jesus eigentlich geht und worum es auch im Leben eines Christen/einer Christin geht. 

Es ist der Trost, dass wir nie mehr alleine sein müssen. Als getaufte Christinnen und Christen. Als die, die zu Jesus gehören.

Uns gilt dieses Versprechen: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt. Das Versprechen ist verbunden mit der Taufe. Es folgt direkt der Aufforderung an die Jünger, die Menschen für den Glauben zu gewinnen und sie zu taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Wer von Euch hier schon getauft ist, erinnert sich vielleicht noch an die eigene Taufe. Ich habe leider keine aktiven Erinnerungen mehr, ich war damals noch ein Baby. Aber mir wurde berichtet, dass der Tag, an dem ich getauft wurde, ein besonderer Tag war. Da ist Deutschland nämlich zum zweiten Mal in der Geschichte Fußballweltmeister geworden.

Durch die Taufe haben wir das Versprechen, dass Jesus bei uns ist alle Tage, bis an das Ende der Welt. 

Wenn unsere Pläne scheitern, wenn die Träume platzen, wenn es nicht mehr weiter voran geht im Leben. Und wenn der letzte Atemzug getan ist und sich die Ewigkeit um uns ausbreitet.

Dann sind wir nicht alleine. Das ist doch eigentlich eine wunderbare Aussicht.

Nicht alleine sein, auch in den schwierigsten Stunden des Lebens, am Ende der Welt. Wo sonst keiner mehr hinkommt. Da bin ich nicht allein. Einer ist da. Und das tut so unglaublich gut zu wissen. 

Mitten in der Pandemie, mitten im Schmerz und der Trauer, ja mitten im Leben.Und da ist es wieder, das Gefühl von Freiheit, die ich spüre am Meeresstrand, den Wind im Gesicht und den Blick auf den Horizont. Das Ende der Welt – es darf kommen. Irgendwann. Amen.

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