Gegenwort vom Frieden (Hebräer 4,12-13)

„Worte sind unsere wohl unerschöpflichste Quelle der Magie. Sie können Schmerz sowohl zufügen, als auch lindern.“

Diese klugen Worte stammen von Professor Albus Dumbledore, aus dem letzten Band von Harry Potter. Und wahrscheinlich hat der alte Schulleiter von Hogwards Recht damit. 

Worte haben eine enorme Kraft und manchmal versteht man die Welt und sich selbst erst, wenn man dafür ein Wort gefunden hat.

Wie ist das bei Euch, bei Dir? 

Mit welchem Wort könntest Du zusammenfassen, wie es Dir in den letzten Tagen so gegangen ist? 

Welches Wort beschreibt Deinen Zustand, kurz und knapp, aber prägnant.

Nimm Dir jetzt mal einen Moment und überleg mal, welches Wort das Wort der Stunde für Dich und Dein Empfinden gerade ist. 

So, wer jetzt möchte, darf sein oder ihr Wort laut aussprechen. Darf es teilen, wie man so schön bei Facebook, TikTok oder Instagram sagt. 

Also, wie lautet Dein Wort dieser Tage?

Wenn ich so darüber nachdenke, ist bei mir tatsächlich das Wort „Sorge“ ganz groß. Sorge vor dem weiteren Gang der Pandemie. Mit den beschlossenen Lockerungen, wohin geht es mit unserem Land, mit der Gesellschaft? Nehmen wir in Kauf, dass nun bald alle Ungeimpften in großer Gefahr sind? „Durchseuchung“ klingt irgendwie schrecklich in dem Zusammenhang, nicht nur, wenn ich an meine drei Schulkinder zuhause denke…

Sorge bereitet mir aber auch und immer mehr die Lage in der Ost-Ukraine. Panzer fahren auf, Soldaten werden zusammengezogen. Auf  beiden Seiten wird mobilgemacht. Wohin soll das noch führen? Russland, fühlt sich bedroht von der Nato in den Nachbarstaaten. Die Ukraine fühlt sich bedroht durch den großen Nachbarn. Also geht das Säbelrasseln weiter. Truppen werden in Stellung gebracht. Erst haben die USA und nun auch die deutsche Regierung ihre Landsleute dazu aufgefordert, die Ukraine zu verlassen.

Ich sage es ganz ehrlich: Ich hätte nicht gedacht, dass in unserer globalisierten und vernetzten Welt sich noch einmal zwei Blöcke so gegenüber stehen und die Gefahr eines Krieges mit weiten Verwicklungen so greifbar ist, wie im Moment. Wer hätte das gedacht?

Mit Worten wurde in den letzten Wochen aufgerüstet. Drohungen ausgesprochen. Drohungen mit Sanktionen, militärischen Eingriffe. Wehe, wenn… Dann… 

Worte spielen eine wichtige Rolle in der Vorbereitung eines Krieges – genauso wie am Ende, wenn es darum geht, die Bedingungen für einen Frieden auszuhandeln.

Und Worte spielen heute morgen auch für uns eine Rolle, denn der Predigttext erzählt von dem EINEN Wort. Gottes Wort.

Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Es ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch und durch. Es durchdringt Seele und Geist, Mark und Bein.

Hebräer 4,12 BasisBibel

Das Wort Gottes, darüber sind im Laufe der Jahrhunderte Bibliotheken vollgeschrieben worden. „Wort Gottes“ ist zunächst mal die Bibel, die Heilige Schrift. Darin kommen ganz viele einzelne Worte vor, die Gott in den Mund gelegt werden. Es ist ja bei uns Christinnen und Christen nicht so wie im Islam, wo der Koran buchstäblich „vom Himmel“ gefallen ist.

Aber wenn von dem EINEN Wort Gottes die Rede ist, dann ist es das fleischgewordene Wort. Genau, Jesus Christus! Wie es so schön am Beginn des Johannesevangeliums heißt: „Im Anfang war das Wort.“ Und: „Das Wort ward Fleisch und lebte unter uns.“

Jesus also. Mal wieder. Ein Wort-begabter Mensch, so dicht in der Nähe Gottes, dass seine Worte den Menschen direkt ins Herz gingen. Mit Worten hat Jesus geheilt (vielleicht ein bisschen so, wie Dumbledore es eingangs beschrieben hat). Hat Menschen heile gemacht, ihnen Leben zugesprochen. Das war vor 2.000 Jahren, aber seine Worte klingen noch nach, in uns. Bis heute.

Gottes Wort also ist lebendig und wirksam. So weit, so gut. Aber es ist auch „schärfer“ als Schwerter und durchdringt alles. Ein gewaltsames Bild, finde ich, das vor allem Menschen nachvollziehen können, die mit solchen scharfen Klingen schon Bekanntschaft machen mussten, oder mit scharf schießenden Kugeln etwa.

Gottes Wort, Jesus, durchdringt alles. Durchtrennt auch die Fesseln und Ketten, die uns Menschen ständig festhalten. Die uns immer wieder angelegt werden, weil wir glauben sollen, dass jemand, der irgendwie anders aussieht, unser Feind ist. Andere Sprache, andere Kultur, andere Traditionen: Was erstmal fremd ist, kann Angst machen. Und Angst macht unfrei. Bindet uns, sorgt dafür, dass wir uns abgrenzen, durch diese unsichtbaren Ketten. Schritt für Schritt. So können wir es ja gerade auf der weltpolitischen Bühne erleben.

Ein bisschen ähnlich ist das auch so bei der Trauer um einen lieben Menschen. Der Verlust tut weh und bindet uns auch. Macht uns unbeweglich. Oft hängen trauernde Angehörige mit ihren Gefühlen noch an der Vergangenheit. Und dann, irgendwann, kommt das Wort Gottes, lebendig und wirksam. Es möchte uns aus der Gefühlsstarre herausholen und aufrichten.  

Gottes Wort, so sagt es der Hebräerbrief, ist schärfer als ein zweischneidiges Schwert. Das braucht es manchmal, um diese Fesseln zu zerschneiden. 

Jesus, das Wort Gottes, war manchmal ziemlich scharf. Etwa als er dem Gelähmten sagte, dass er seine Matratze mitnehmen soll. Seine Sünden seien ihm vergeben. Und dann ist der Mann, von Geburt an gelähmt, aufgestanden, hat sich gestreckt und ist gegangen.

Oder Bartimäus, der blinde Bettler. Kann nichts sehen, aber hört von Jesus. Er hört das Wort. Jesus fragt ihn bei der Begegnung. Fragt: Was willst du, dass ich für dich tun soll? (Mk 10,51) Er wendet sich ihm zu, fragt nach, geht auf ihn ein. Und dann erst geschieht die Heilung.

Andere Geschichten verstärken das: Ob beim verhassten Zöllner Zachäus, wor er sich einmal schnell selbst zum Abendbrot einlädt oder bei der Frau aus Samarien, die er beim Jakobsbrunnen trifft und dabei alle Vorurteile über Bord wirft, die Menschen vor „fremden“ eigentlich haben.

Jesus, das Wort Gottes, befreit uns zum Leben. Zu einem Leben in Frieden. Und ob wir gerade trauern oder Angst haben vor einem neuen Krieg – wir können diesem Wort Gottes trauen. 

Vielleicht ist es so ein Gegenwort gegen all die schlechten Worte, die gerade so in der Welt kreisen. Worte wie die, die Ihr vorhin gefunden habt. Ja, manchmal muss Gottes Wort so ein Gegenwort sein, das „Frieden“ sagt, gegen den Krieg. Das „Leben“ sagt, gegen den Tod. Das „Liebe“ sagt gegen den ganzen Hass, der vor zwei Jahren 9 Menschen in Hanau ausgelöscht hat.

Wir brauchen solche Gegenworte. ICH brauche solche Gegenworte in dieser Zeit vielleicht sogar mehr als sonst. Zermürbt durch die Pandemie, aufgerieben im Streit um Impfen oder nicht. Mir fehlen ehrlich gesagt langsam die eigenen Worte. 

Dann soll es bitteschön kommen, Gottes Wort. Mich tragen und daran erinnern, wozu wir Menschen eigentlich da sein. Nicht zum Krieg führen, nicht zum endlosen trauern. Nicht zum Kopf in den Sand stecken, sondern das Leben gestalten in Rücksicht auf andere. Den Blick nach vorne richten und darauf zu vertrauen, dass das Leben einen Sinn hat und eine Zukunft.

Was also ist das Wort Gottes in unserer Zeit? Das können wir alle, das kannst Du selber herausfinden. Allein schon, wenn Du Dir diese Fragen stellen lässt, bist Du auf dem Weg dahin. 

Gottes Wort für uns, für Dich ist lebendig und wirksam. Es ist ein Wort des Friedens.

Amen.

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