„Kräftemessen“ (1. Kor 12,4-11)

Es gibt zwar verschiedene Gaben,
aber es ist immer derselbe Geist.
Es gibt verschiedene Aufgaben,
aber es ist immer derselbe Herr.
Es gibt verschiedene Kräfte,
aber es ist immer derselbe Gott.
Er bewirkt das alles in allen Menschen.
Das Wirken des Geistes 
zeigt sich bei jedem
auf eine andere Weise.
Es geht aber immer 
um den Nutzen für alle.
Der eine ist durch den Geist in der Lage,
mit Weisheit zu reden.
Ein anderer kann Einsicht vermitteln –
durch denselben Geist!
Einem Dritten wird durch denselben Geist
ein besonders starker Glauben gegeben.
Wieder ein anderer hat durch den einen Geist
die Gabe zu heilen.
Ein anderer hat die Fähigkeit, Wunder zu tun.
Ein anderer kann als Prophet reden.
Und wieder ein anderer kann die Geister unterscheiden.
Der Nächste redet
in verschiedenen unbekannten Sprachen,
ein weiterer kann diese Sprachen deuten.
Aber das alles bewirkt ein und derselbe Geist.
Er teilt jedem eine Fähigkeit zu,
ganz so, wie er es will.

(Basisbibel)

Heute feiern wir das Dreschefest –  Tage, an denen die alten Traktoren und Landmaschinen wieder brummen, an denen die Erinnerung an vergangene Zeiten wach wird. Hier auf dem Festgelände geht es um PS, Pferdestärken, um glänzende Chromteile und den Stolz auf handfeste Technik. 

Hier messen wir uns:  Welche Maschinen zieht am meisten? Welche Maschine hält am längsten? Welcher Fahrer hat das geschickteste Händchen? 
Ja, Kräftemessen – das ist das Motto. Und ich finde das passt!

Doch während wir heute die Kraft der Maschinen bewundern, fragt die Bibel: Was treibt uns selbst an? Woher kommt die Kraft, die uns als Menschen, als Gemeinde, ja als ganze Gaesellschaft zusammenhält?

Da gibt uns der Text aus dem 1. Korinther eine Idee: „Es gibt verschiedene Kräfte, aber es ist immer derselbe Gott. Er bewirkt das alles in allen Menschen. Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle.

Wenn wir uns draußen nachher umschauen, dann sehen wir: Hier stehen Traktoren aus verschiedenen Jahrzehnten – jeder mit seiner eigenen Stärke. Der eine ist schnell, der andere zugstark, der nächste sparsamer. Keiner ist wie der andere. Und doch: Jeder hat seinen Platz, jeder seine Aufgabe.

Der Apostel Paulus, der den Korintherbrief um das Jahr 55 nach Christus geschrieben hat, der sagt: So ist es auch mit uns Menschen. Die eine kann gut organisieren. Der andere tröstet. Der nächste packt kräftig mit an. Und wieder eine andere betet, findet Worte, die einem Hoffnung geben. 

Wichtig ist hier: Jede Kraft ist wertvoll. Keine ist überflüssig. Keine ist besser als die andere.

Ich frage euch: Wenn du heute an deine eigene „Maschine“ denkst – also an deineGaben, deine Stärken: Wofür setzt du sie ein? Damit alle sehen, wie stark du bist? Oder damit andere davon profitieren?

Ich meine, früher, als diese Traktoren noch im Einsatz waren, ging es auf dem Feld nur in Gemeinschaft. Die Nachbarn halfen sich beim Dreschen, beim Ernten, beim Aufbauen. Die Kraft wurde geteilt, nicht gehortet. 

Heute, wo wir diese Maschinen nur noch bewundern, erinnert uns das daran: Echte Stärke zeigt sich nicht im Alleingang, sondern im Miteinander.

Schauen wir in unsere Gesellschaft: 
Da wird auch kräftig gemessen – aber oft auf eine gefährliche Weise. Da werden Menschen nach Herkunft, nach Aussehen, nach Meinung sortiert. Da wird gesagt: Wer nicht zu uns gehört, hat hier nichts zu suchen. Da wird mit einfachen Antworten und lauten Parolen Stärke vorgetäuscht – während im Hintergrund Hass und Spaltung wachsen.

Doch die Bibel sagt: Echte Kraft ist die, die verbindet. 
Die, die Brücken baut. 
Die, die schwache Stimmen hört und ihnen Raum gibt.
Die, die nicht spaltet, sondern zusammenführt.
Das ist echte Kraft. Gute Kraft!

Paulus schreibt in dem Korintherbrief dann weiter: Selbst wenn ich alle Gaben hätte – ohne Liebe bin ich nichts. 

Das gilt auch für uns heute. Wir können die stärksten Traktoren haben, die modernste Technik, die klügsten Köpfe – aber wenn wir nicht bereit sind, das für einander einzusetzen, dann ist alles umsonst.

Die Kraft der Demokratie lebt davon, dass wir sie jeden Tag neu mit Leben füllen – durch Mitmachen, durch Zuhören, durch Solidarität. Ob im Verein, bei der Feuerwehr, auch in der Kommunalpolitik und natürlich in der Kirchengemeinde.

Gott misst sich nicht mit uns. Gott sagt nicht: „Ich bin stärker als du, also gehorche mir!“ 
Sondern: Ich gebe dir meine Kraft, damit du leben kannst.

Jesus hat nicht gesagt: Schaut her, wie stark ich bin! – sondern:
„Kommt her, alle, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt; ich will euch Ruhe geben.“ (Matthäus 11,28)

Das ist die größte Kraft: Die Kraft, die uns trägt, wenn wir keine mehr haben. Die Kraft, die uns verbindet, wenn wir uns spalten lassen wollen. Die Kraft, die uns Hoffnung gibt, wenn wir am Ende sind.

Heute feiern wir die Kraft der alten Maschinen. Lasst uns aber auch feiern, was diese Maschinen uns lehren können: Dass echte Stärke darin liegt, für einander da zu sein. Dass wahre Kraft die ist, die anderen nützt. Dass wir als Gesellschaft nur stark sind, wenn wir zusammenhalten – gegen Hass, gegen Spaltung, gegen die Feinde der Demokratie.

Denn am Ende deines Lebens wird nicht gefragt: 
Wie viel PS hast du? – sondern: 
Wie viel Liebe hast du gesät?

Und das Schönste daran: Gott gibt uns die Kraft dazu. 
Gott schenkt uns die Heilige Geist-Kraft, damit wir nicht gegeneinander, sondern füreinander stark sind.

Amen.

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