„Was ist in?“ (Galater 5,1)

Nun ist es endlich soweit: Der Weg zur Konfirmation kommt an sein Ende. Mit diesem Gottesdienst und der Einsegnung seid Ihr gleich nicht mehr Konfis, sondern Konfirmierte. Das heißt: Ihr habt fast eineinhalb Jahre Sachen gemacht, auf die andere in Eurem Alter gar nicht kommen würden: Ihr habt Konfikurse besucht, seid in Gottesdienste gegangen (meistens Sonntags in aller Frühe), habt die Kirchengemeinde erkundet und immer wieder über Gott und die Welt diskutiert.

Es waren 16 lange Monate seit Januar 2007, die wir miteinander auf diesem Weg gegangen sind. Manche von der ursprünglichen Gruppe haben ihre Meinung geändert und sind von diesem Weg abgesprungen. Es war ihre eigene Entscheidung, so wie es Eure Entscheidung ist, heute konfirmiert zu werden. Ich finde das ganz wichtig zu sagen: Es ist nicht die Entscheidung Eurer Eltern oder Großeltern, nicht die der Lehrerinnen oder etwa des Pfarrers.

Nein, Ihr habt Euch selbst entschieden, diesen Weg zu gehen – auch wenn er vielleicht nicht immer Spaß gemacht hat und die zusätzlichen Termine im sowieso schon vollen Kalender für Euch Stress bedeutet haben.

Trotz all dem habt Ihr Euch entschieden. Ich finde, das ist ein wichtiger Schritt in ein selbstbestimmtes Leben, dass Ihr ja anstrebt. Selber bestimmen wollen, endlich alleine entscheiden, was für einen selbst gut ist. Welche Frisur, welche Klamotten. Das ist ein großer Wunsch, den Jugendliche haben. Endlich wie die Erwachsenen sein und machen können, was man will!

Aber das ist nicht leicht. Und oft bestimmen auch die Erwachsenen gar nicht selbst. Es gibt geschriebene und ungeschriebene Gesetze, die eine Menge vorgeben. Die einem sagen wollen, was man wie zu tun hat. Was ist richtig, was ist falsch? Was ist angesagt, was kommt gut an? Oder wie man heute sagt: Was ist „in“, was ist „out“?

Ich habe gedacht, wir machen mal eine kleine Umfrage hier in der Kirche, mit grünen und gelben Karten: grün steht für das, was Ihr „IN“ findet, gelb für das, was wohl „OUT“ ist. Wenn Ihr nichts wisst, dann lasst die Karten einfach unten. Ich habe mal ein paar Vorschläge mitgebracht:

• Lange Haare bei Jungen
• Inliner Fahren
• Rauchen
• regelmäßiger Sport machen
• Koteletten
• Bibellesen
• Pünktlichkeit
• Fahrradfahren
• Pferde
• Bravo
• Beten
• Urlaub mit der Familie
• Gottesdienst
• Treue
• Blumenkohl
• Germany’s next Topmodel

Wir merken: Es ist gar nicht so einfach zu wissen, was gerade IN und was OUT ist. Habe ich Glück, dann bin ich IN mit meinen Klamotten, meinen Hobbys oder Vorlieben. Habe ich Pech und bin OUT, dann geht es mir nicht gut. Vielleicht muss ich mich dann verändern, damit ich wieder in bin.

Denn davon hängt viel ab! Wer „IN“ ist, bekommt Respekt und Anerkennung von den anderen, vielleicht auch manchmal Neid. „OUT“ sein heißt Looser sein, ausgegrenzt oder im besten Falle bemitleidet zu werden. Wer will das schon? Also immer schön mitlaufen, sich anpassen an den Mainstream und bloß nicht auffallen ist die Devise.

Viele Menschen machen das so ihr ganzes Leben lang. Dabei merken sie gar nicht, dass sie gefangen sind. Gefangen in den Gesetzmäßigkeiten dieser Welt, eingebuchtet in den Sachzwängen unserer Gesellschaft. Man muss fleißig sein, intelligent, sexy, und man muss vor allem an sich selber denken um voran zu kommen.

Das wird auch an vielen Orten eingeübt: In der Schule, im Freundeskreis, ja auch zuhaue. Und manchmal geht es eben nicht anders. Da muss man sich anpassen und machen, was von einem verlangt wird. Aber zum Glück das ist nicht alles im Leben. Das habt ihr mittlerweile schon rausgekriegt und vielleicht hat Euch die Konfizeit dabei ein bisschen geholfen. Ihr selbst seid in der Gruppe sehr unterschiedlich gewesen, habt Eure Eigenheiten bewahrt. Kreativ und originell ging es meistens zu, wenn wir Kurs hatten. Jeder und jede einzelne von Euch ist eine einmalige Persönlichkeit mit ihren Ecken und Kanten aber auch mit ihren wunderbaren Seiten.

In der Bibel gibt es ein Motto, das uns vom Apostel Paulus überliefert ist. Es lautet:

„Zur Freiheit hat euch Christus befreit, lasst euch nicht wieder unter das Gesetzes zwingen“.

Ich finde diesen Satz stark. Denn er richtet Menschen auf und macht ihnen Mut, einen eigenen Weg zu gehen. Leute, die immer nur anderen gefallen oder gehorchen, die nur „IN“ sein wollen, die haben keinen freien Willen. Die sind gefangen.

Wenn jemand zum Beispiel sagt: Ich bin frei, weil ich meinen Eltern nicht mehr gehorche, und dann gehorcht er seiner Clique oder der Bravo, dem neuestem Trend oder sonst irgendwas, dann ist er nicht frei. Er ist abhängig von der Meinung anderer. Und ob die anderen es immer so gut mit ihm meinen, bleibt mal dahingestellt.

Jesus Christus hat uns zur Freiheit befreit. Er selbst hat diese Freiheit vorgelebt im Umgang mit anderen Menschen. Bei ihm haben sie verstanden, was es heißt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Frei sein, nicht immer mit dem Strom schwimmen und auch ruhig mal das Risiko in Kauf nehmen, „out“ zu sein. Hauptsache, wir finden frei zu bestimmten Entscheidungen und vergessen dabei nicht die Menschen um uns herum.

In so einem selbstbestimmten Leben geht es immer auch um die Frage nach dem Sinn, danach, woher wir kommen und wohin wir gehen. Sind wir Gottes Kinder? Wir als christliche Gemeinde wissen, dass bei diesen Fragen keine Mehrheiten zählen und auch keine Abstimmungen weiterhelfen. Glauben und hoffen und vertrauen – das ist niemals „out“. Denn ohne Glauben, ohne Hoffnung und ohne Vertrauen wäre das Leben nicht menschlich und wohl auch nicht erträglich.

Ich wünsche Euch, liebe Konfis, und uns allen, liebe Festgemeinde, dass wir durch Christus frei werden von der Gefangenschaft der Mehrheitsmeinung, egal, wie „out“ wir damit vielleicht in der Gesellschaft dastehen. Und besonders Euch, liebe Konfis, wünsche ich, dass ihr EUREN Weg geht und auch nach den heutigen Tag die Verbindung haltet, zu Gott, aber auch zu uns als Kirchengemeinde. Gott segne euch alle. Bei Gott seid Ihr absolut „in“.

Amen.

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