Empfangsstörung (Sach 9,9-10)

Wie soll ich dich empfangen und wie begegnen dir? So beginnt ein bekanntes Adventslied (Evangelisches Gesangbuch Nummer 11). Und auch wenn ich das Lied wirklich sehr mag und es mich in den vergangenen Adventszeiten immer getragen hat, finde ich mich in diesem Jahr darin so wieder wie noch nie.

Wie soll ich dich empfangen, Jesus? Ja, wie? Diese Frage stelle ich mir echt! Ich möchte dich ja empfangen. Möchte mein Haus adventlich herrichten, mich einstellen auf diese besondere Zeit.

Und ich muss gestehen: es macht mich fertig! Ich kann nicht. Weiß nicht, wie!

Die neuesten Schlagzeilen: Omikron, Impfdurchbrüche, ein drohender Lockdown für alle, 3G, 2G mit Plus oder ohne. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe da echt Sorgen. Um mich, um meine Lieben und auch um unsere Welt. Ich dachte, wir wären weiter in der Pandemie. Aber es sieht nicht so aus.

Und jetzt also auch noch Advent. 

Was haben wir nicht vor einem Jahr geseufzt und zähneknirschend hingenommen, dass Advent und sogar Weihnachten ganz anders sein würden. Wir haben Gottesdienste abgesagt, uns neue Formen ausgedacht. Und wenn man mal ehrlich ist, haben wir doch alle dabei gedacht: Naja, ein Jahr können wir darauf verzichten. Aber nächstes Jahr, 2021, da kehren wir zurück zu den lieb gewordenen Traditionen.  Wenn wenigstens einmal im Jahr die Kirchen aus allen Nähten platzen und die Leute die beste Geschichte der Welt hören wollen.

Und jetzt? Jetzt ist 2021. 

Und es ist nicht so wie früher. 

Ja, es ist heute wieder Advent geworden, aber wieder müssen wir Entscheidungen treffen. Ab morgen sollen Kontakte deutlich beschränkt werden. Keine unnötigen Begegnungen mehr. Aber was sind „unnötige Begegnungen“? 

Ehrlich, ich habe große Sympathie für alle, die meinen, dass Kirchen offen sein sollen und Gottesdienste gefeiert werden müssen – gerade in dieser Zeit. Es haben eben nicht alle Netflix und es gibt auch Menschen, die sind für jedes zu ihnen gesprochene Wort dankbar. 

Und doch wird es so sein, dass wir die Türen schließen müssen. Zwischen den Haushalten, zwischen Generationen. 

Wie sollen wir dich empfangen, Jesus, Gottes Sohn, Menschenkind? „Macht hoch die Tür“ wie funktioniert das, wenn alle Türen zugehen?

Nicht zufällig gehört zum ersten Advent die Lesung aus dem Propheten Sacharja: 

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.

Das Bild vom König auf dem Esel kennen die meisten von uns schon. Es gehört eigentlich in eine andere Zeit vom Kirchenjahr. Palmsonntag. Aber es ist eigentlich ein Skandal: Könige kommen für gewöhnlich nicht auf Eseln daher geritten. Das Bild soll eigentlich verstören. Und ich verstehe es heute so:

Der König kommt, aber er kommt ganz anders, als wir es erwarten. 

Jesus kommt in diese Adventszeit, aber eben nicht in den Glühweinschwaden der Weihnachtsmärkte. Jesus kommt dieses Jahr nicht in die festlich geschmückten Kirchen, wo hunderte Menschen lauthals „O du fröhliche“ schmettern. Er kommt ganz unscheinbar. Auf ganz andere Weise. Wie? Ich weiß es noch nicht. Keiner weiß es. Wir werden uns gedulden und die Augen offen halten. 

Aber eines steht für mich fest: Am Ende ist da die Krippe von Bethlehem. Die Hoffnung leuchtet aus ihr heraus. Neu geboren, verletzlich zwar, aber eben doch mit frischer Kraft. 

Amen.

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