Großes Licht? (Jesaja 9,1-11)

Es ist kein Wunder, dass an vielen Stellen in der dunklen Jahreszeit Lichterketten zu sehen sind. An Häusern und Zäunen, auf Hecken und Bäumen, Kinderwagen oder Garagen, überall leuchten sie mir entgegen. Und ich finde das echt schön. Gerade in der Dunkelheit, im November und Dezember, wenn es spät hell und früh dunkel wird. Da kommen mir die Lichter vor wie ein kleiner Trost.

Wenn ich so um mich rum gucke, dann spüre ich die Dunkelheit stärker als früher. Ja, es ist auch dunkler als letztes Jahr, wo wir alle dachten, dass wir die Pandemie in den Griff kriegen. Advent und Weihnachten 2021 wird wieder so wie sonst, haben wir gehofft. 

Aber es ist anders gekommen: Keine Präsenzgottesdienste, keine Adventsfeiern, nicht in der Schule, in der Firma, im Verein. Kein gemütliches Beisammensein und selbst der Besuch aufm Weihnachtsmarkt ist heute nur was für Wagemutige.

Advent 2021 fühlt sich dunkler an. Trotz Impfstoffen und neuer medizinischer Erkenntnisse. 

Die Debatten in der Gesellschaft sind noch rauer geworden. Geimpfte gegen Ungeimpfte, jeder gegen jeden, ja ich habe den Eindruck, durch letzten 20 Monate, wo wir immer wieder unsere Kontakte reduzieren mussten, da haben echt einige Leute den Kontakt zu einander verloren. Es wird noch mehr übereinander geredet statt miteinander. Dunkle Zeiten sind das.

Und wenn man über den europäischen Tellerrand schaut, wird es ja nicht unbedingt heller. Im Gegenteil: Was da immer noch an der polnisch-belarussischen Grenze los ist, finde ich genauso beschämend wie die Situation in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln oder auf im Mittelmeer, wo jeden Tag Flüchtlinge ertrinken, einfach weil es keine legalen Wege gibt, um in Europa Schutz zu suchen.

Ja, manchmal komme ich mir vor wie bei dem Volk, das „im Finstern wandelt“. Die Worte stammen aus dem Jesaja-Buch, das seine Ursprünge im 8 Jahrhundert vor Christi Geburt hat. Auch da wandelt die Gesellschaft im Finstern. Auch da gibt es Konflikte, Streit und Ungerechtigkeit. Israel war fremdbeherrscht und musste seine Schätze hergeben. 

So weit, so dunkel!

Aber dann verheißt Jesaja ein „großes Licht“. Das Volk sieht es, eindeutig. Und über denen, die im finsteren Lande wohnen, scheint es hell. Hoffnungsbilder in einer trostlosen Zeit. Freude und Jubel folgen. Zugegeben, das geht mir in diesem Advent doch ein bisschen zu schnell.

Ich sehe auf meinen Runden durch die Dörfer nur viele kleine Lichter. Sie zusammen ergeben in der Summe vielleicht das eine große Licht. Aber jetzt, so, vereinzelt strahlen sie nicht besonders hell. Aber sie strahlen. Man sagt ja, eine einzige kleine Kerze reicht, um einen dunklen Raum zu erleuchten. Und vielleicht ist das ja auch so bei unseren vielen kleinen Lichtern. Sie verteilen nur in ihrer nächsten Umgebung Licht. Aber sie machen es ein wenig heller. In der Dunkelheit.

Warum hängen so viele Leute, ja und auch ich, pünktlich zur Adventszeit Lichterketten in die Welt? Habt Ihr Euch das schon mal gefragt? Ich weiß es nicht genau, aber ich vermute, es hat etwas mit Sehnsucht zu tun, einer Sehnsucht nach Licht, nach hellen Momenten. Wenn schon die Sonne sich nicht viel zeigt im Winter und einem die Probleme über den Kopf wachsen, dann will ich doch wenigstens ein bisschen Licht haben. Licht für die Seele.

Ich glaube, Menschen spüren immer wieder mal diese Sehnsucht nach Licht. Nach hellen Momenten in ihrem Leben. Wo sie einfach so gut drauf sein können, glücklich mit anderen, feiern, träumen, berühren. Das war schon vor knapp dreitausend Jahren der Fall und ist auch heute so.

Meine Sehnsucht richtet sich auf den, der im Advent kommen soll. Von dem wir Christinnen und Christen glauben, dass er der Wunderrat, Ewigvater und Friedefürst ist. Geboren auf der Durchreise, Kind einfacher Leute, aber mit diesem unmittelbaren Draht zu Gott. Passt mal auf, am Ende ist er es, der diese Welt hell macht. Ob da alle dran glauben, deren Sehnsucht kurz vor Weihnachten am stärksten ist, weiß ich nicht. Ist vielleicht auch egal. Sein Licht wirkt auch so, auf alle, und verändert uns. Zumindest ein Stückchen.Daran denke ich, wenn ich gleich die Lichterketten bei uns zuhause wieder anmache und mich daran erfreue, dass dieses Licht leuchtet, gerade in dieser Dunkelheit. 

Amen.

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